Aufruf von AMQG

Medizinische Beratung für junge Menschen mit Genderfragen

AUFRUF ZUR EINHALTUNG DES VORSORGEANSATZES

 

Die Zahl der jungen Menschen, die sich wegen der gefühlten Diskrepanz mit ihrem biologischen Geschlecht beraten lassen, nimmt in den westlichen Ländern exponentiell zu, und dieser Trend gilt auch für die Schweiz 1.

 

"Geschlechtsdysphorie", eine neue klinische Kategorie, die 2014 in das DSM-5 aufgenommen wurde, führt nun zu medizinischen Behandlungen, die die körperliche Unversehrtheit von Jugendlichen gefährden, ohne dass eine gründliche Untersuchung  vorliegt. Diese beinhalten sowohl medizinische Behandlungen mit Pubertätsblockern oder Hormontherapien wie auch chirurgische Eingriffe wie die Mastektomie.

In der französischsprachigen Schweiz wurden16-Jährigen, die in ihrer Kindheit keine signifikante Geschlechtsdysphorie aufwiesen, einem Psychiater vorgestellt, der sie nach maximal fünf  Sitzungen, eine Bescheinigung ausstellte, die sie zur Einnahme antagonistischer Hormone und zur Mastektomie berechtigt.

Diese Behandlungen werden in einigen pädiatrischen Abteilungen der öffentlichen Spitäler der Schweiz umgesetzt, obwohl sie umstritten sind.

Auf der Grundlage neuerer Studien, die die potenziell erheblichen und unumkehrbaren negativen Folgen von Hormonantagonisten (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose, Unfruchtbarkeit, erhöhtes Krebs- und Thromboserisiko usw.) und die fehlende Sicherheit über die zu erwartende langfristige verbesserte Lebensqualität belegen, haben mehrere Länder 2 kürzlich beschlossen, ein Moratorium für die Zulassung an Jugendliche unter 18

Jahren zu verhängen. Dieses Frage / Moratorium betrifft auch die Pubertätsblocker. Diese werden als Vorstufe zur Hormontherapie verabreicht, und sollen reversibel sein. Dennoch werden fast allen Kindern, die mit Pubertätsblokern behandelt wurden, hinterher Hormontherapien verschrieben. Die jüngste Entscheidung in dieser Richtung wurde im

März 2021 vom schwedischen Karolinska-Universitätskrankenhaus getroffen, einem der renommiertesten Europas 3.

 

Wir sind zutiefst besorgt darüber, dass diese Debatte in der Schweiz nicht stattzufinden scheint. Viel mehr werden medizinische Behandlungen für junge Menschen mit Gender-Problemen gegenüber diagnostischen und psychotherapeutischen Ansätzen bevorzugt. Dieser sogenannte affirmative Ansatz wird von den meisten Hausärzten aktiv gefördert 4. Wir fordern: :

  • dass Alternativen zum affirmativen Modell erforscht werden, die zu einem maßvollen, vielfältigen und unpolitischen Ansatz in Bezug auf geschlechtsrelevante Fragen bei jungen Menschen führen.

  • dass der Öffentlichkeit, den Fachleuten und den politischen Entscheidungsträgern aktuelle, evidenzbasierte Informationen zur Verfügung gestellt werden, um die höchsten Standards für Pflege und Ethik im Bereich der Gender-Medizin festzulegen.

  • dass Therapeuten, Ärzte und LGBT-Organisationen, die medizinische Behandlungen für junge Menschen fördern, von Fall zu Fall begründen, dass das Nutzen-Risiko-Verhältnis für die betroffenen jungen Menschen unter Berücksichtigung der bekannten Risiken (Sterilität, Verlust von IQ-Punkten, Knochengesundheitsprobleme, erhöhte Risiken für das Kreislaufsystem, Einschränkung oder sogar Beseitigung der Sexualfunktion usw.) günstig ist.

  • dass Therapeuten und Ärzte, die jungen Menschen Pubertätsblocker und Hormone verschreiben, einen dokumentierten Bericht über die Gründe und Schlussfolgerungen vorlegen, die zu dieser Verschreibung geführt haben, und das angewandte Screening-Verfahren dokumentieren.

  • dass Therapeutinnen und Therapeuten sowie Ärztinnen und Ärzte, die Off-Label-Behandlungen verschreiben, gemäss den Richtlinien der SAMW (Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften) nachweisen, dass deren Anwendung dem aktuellen Stand der Wissenschaft entspricht, dass sie ihrer Sorgfaltspflicht nachgekommen sind und dass sie ihre Praxis den kantonalen Behörden melden.

Generell und auf der Grundlage der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen appellieren wir an die Krankenhäuser, die junge Menschen mit geschlechtsspezifischen Problemen aufnehmen, und an die verschiedenen Kliniken, die diese jungen Menschen betreuen

IM EINKLANG MIT DEM VORSORGEANSATZ ZU HANDELN

Wir erwarten auch, dass die Behörden, die diese Einrichtungen beaufsichtigen, und die Ethik Ausschüsse, die ihre Praktiken überprüfen, sicherstellen, dass die Betreuung junger Menschen mit geschlechtsspezifischen Problemen  diesen Grundsatz respektieren :

Primum non nocere

1 La Suisse ne tient pas encore de statistiques globales, mais les rapports d’activités des associations de défenses des droits des jeunes LGBT attestent de cette augmentation, ainsi que la presse (RTS, NZZMatin Dimanche).

2 https://www.amqg.ch/news

3 Déclaration de l’hôpital de Karolinska

4 HUG - présentation dans le cadre d’un colloque destiné aux médecins de premiers recours, 3 mars 2021 ; Hôpital Pourtalès - intervention auprès des médecins de premier recours, 21 mai 2021 ; CHUV - Symposium sur l'équité en santé, 11 juin 2021 ; Revue médicale Suisse, Volume 16, 22. avril 2020 - "Adolescents transgenres et non ­binaires : approche et prise en charge par les médecins de premier recours";

 

Die Vereinigung unterstützt voll und ganz die unveräußerlichen Rechte transidenter Erwachsener: Ihre Bedenken beziehen sich nicht auf die Transidentität im Allgemeinen, sondern auf das beispiellose Auftreten des Gefühls der Unzulänglichkeit mit dem eigenen biologischen Geschlecht in der Jugend (als "schnell einsetzende Geschlechtsdysphorie" bezeichnet) und die heutige medizinische Diagnose und Behandlung dieser Dysphorie ohne gründliche Untersuchung.

Autor des Aufrufs

Association pour une Approche Mesurée des Questionnements de Genre chez les jeunes

1200 Genève

Mitbegründer:

Frédéric S.,  Elternteil eines betroffenen Kindes 

Isabelle Ferrari, besorgte Verwandte
Stéphane Mitchell, besorgte Verwandte, Feministin